Nerchau

(seit 2011) – 3740 Einwohner
mit den Ortsteilen Bahren, Cannewitz, Deditz, Denkwitz, Fremdiswalde, Gaudichsroda, Golzern, Gornewitz, Grottewitz, Löbschütz, Schmorditz, Serka, Thümmlitz und Würschwitz


Nerchau ging vor über eintausend Jahren als großzügiges und repräsentatives Geschenk in die Geschichte ein. Otto der II. vermachte das damalige „Nirichua“ im Jahre 974 dem Bistum Merseburg. Als Weichbildrechtsort, ein Abkommen von Bauern und Stadtbürgern, blieb der tausendjährige Ort Jahrhunderte lang in der Größe unverändert. Nur die Anzahl der Gänse vermehrte sich rapide. Jeder Hof in „Gänse-Nerche“ hatte auch mindestens ein Dutzend der Federtiere. Heute sieht man sie nur noch aus Bronze gegossen auf dem Gänsemarkt oder in der Kirchstraße. Für weiterhin reges „Geschnatter“ sorgen eingeweihte Amateurfunker. Auf der Deditzhöhe kann man die besten Verbindungen in alle Welt herstellen. Neben der Landwirtschaft gehörte das fundierte Brauereihandwerk zur wichtigen Lebensgrundlage. Nach jahrhundertelangen Bemühungen bekommt Nerchau Anfang des 19. Jahrhunderts endlich das Marktrecht zugesprochen. Die Kleinstadt entwickelt sich. An der Mulde siedelten sich zahlreiche Fabrikanten und Handwerker an. Die Industrie in Nerchau brachte Fotoalben, Porzellan-Dekor, Zucker tüten oder Öfen hervor. Vor allem aber machten die Farben und Lacke das Städtchen berühmt. So entwickelte man in der Farbenfabrik auch das geschätzte „Nerchauer Weiß“, welches dem „Blauen Wunder“ in Dresden die Grundlage gab. Papier wird noch immer in Golzern gestanzt, auch fast 200 Jahren später mischt man heute noch Künstlerfarben zusammen und in der Brauerei werden seit Kurzem wieder Flaschen befüllt. Als liebenswerter Wohnort sichert das Kleinzentrum die Grundversorgung ab. Ob Kindereinrichtungen, Grundschule, Begegnungszentren für Kultur, Jugend, Senioren und Sport oder wichtige Handelseinrichtungen – Nerchau behauptet sich als charmanter, geselliger und lebendiger Ort.

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Bahren: Die Bauern des kleinen Dorfes mussten immer mit sandigen Böden zurechtkommen. Vor Jahren kam der stille, fleißige und mehrfach engagierte Grafiker Günter Ketelhut in das Dorf. Das machen jetzt der Huf-Beschlagschmied und der Trekhener-Pferdehof ebenso bekannt, wie der Heimatverein „Prinzengrotte“. Ende der 1920er Jahre wurde die wohl älteste Freizeitsiedlung der Umgebung angelegt - die „Loreley“. Im Dorf gibt es gleich zwei intakte Gaststätten.

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Cannewitz: Die sehr aktiven Herren von Starschedel saßen auf ihrer Burg, die als steinernes Renaissance-Schloss bekannt ist. Sie begannen die heutige Wermsdorfer Teichwirtschaft. In der kleinen Saalkirche des Dorfes steht die figürliche Epitaphkanzel als Totengedächtnis für eine von Starschedel. Das vergolde Sandsteinwerk gehört zu den glanzvolle Leistungen der sächsischen Bildhauerkunst des frühen 17. Jahrhundert. Im Platzdorf gab es fast alles, was einem modernen Rittergutsbetrieb des späten 19. Jh. ausmachte: Brauerei, Brennerei, Molkerei, Wasser- und Windmühle. Auf einem kahlen trockenen Porphyrhügel stehen die Pflanzen der Trockenrasengesellschaft. Die beiden Vorwerke Löbschütz und Serka liegen auf einem flachen Rücken zwischen zwei Bächen auf der fruchtbaren, flach gewellten Höhe. Das Bild der heimische Landschaft stellt Holger Voigt in vielen Bildern und Blättern dar. Die dortige Batterie von Windturbinen weist von weitem sichtbar auf die beiden kleinen Dörfer hin.

Deditz: Unter der 230m hohe Deditzhöhe mit dem umfassenden Rundblick duckt sich das kleine Dorf. Die dort in einem verwachsenen Steinbruch liegende Grauwacke ist das älteste Gestein unserer Heimat. Eine Porphyrtuff-Säule wurde 1873 dort aufgestellt, als das Land zum ersten Male sehr genau vermessen und danach die „Messtischblätter“ gezeichnet wurden, die bis vor kurzem an Genauigkeit unübertrefflich waren.

Fremdiswalde:(www.fremdiswalde.com) Auch die Bauernorte im Norden zeichnen die ehemalige Gemeinde Nerchau aus. So auch das „Dorf ohne Ende“: Das seltene Waldhufendorf Fremdiswalde zieht sich fast fünf Kilometer entlang eines Bachlaufes und gehört zu den weitläufigsten Dörfern Sachsens. Seit 1330 reihte sich ein Bauernhof dem anderen locker an. Die romanische Kirche im Oberdorf verlor ihren hohen, weithin sichtbaren Turm, weil dessen Erhalt zu kostspielig war. In der halbrunden Wölbung ihrer Apsis ruhen großformatige, mittelalterliche Wandmalereien unter mehreren Kalkschichten. In der Wüstriche, auch „Hermannsglück“ genannt, wurde Ton für die Nerchauer Töpfer und Tonwarenfabriken abgebaut, ebenso Braunkohle. Die „Sukzession“ stellte sich ein, deckt langsam die Abbaue zu und so wachsen die Gruben wieder zu. Von dort aus führt eine verwilderte Obstbaumallee hinauf zum kleinen Aussichtsturm auf der Johannas Höhe in Pyrna. Die Vorwerke Gaudichsroda und Vieteln gehören zu Fremdiswalde und liegen in der intensiv bewirtschafteten, einsamen Moränenlandschaft mit Waldinseln vor der Kulisse des Wermsdorfer Forstes.

Golzern: Das Dorf mit dem langen Postberg liegt auf der Höhe, auf dessen tiefgründigen Böden bis heute Hopfen angebaut wird. Es hat zwei „Kolonien“: „Samoa“, wo im späten 19. Jahrhundert Kohle, Ton und Sand abgebaut wurden. Die wenigen Häuser waren scheinbar so entlegen, wie es die deutsche Südseekolonie war. Jenseits der „Fabrikinsel“ mit Getreidemühle, Maschinenbau- und Papierfabrik kündeten die Betriebe von der frühen Industrialisierung des Landes: Das Wasser war zunächst die Energiequelle, die Papierindustrie brauchte es überall entlang der Mulden für ihre Produktion. Die soziale eingestellten Unternehmer erbauten diesseits des Flusses drei „Beamtenhäuser“ und jenseits der Mulde – aber durch eine Brücke fest verbunden – neben der erhöht platzierten Villa, die „Arbeiterkolonie Kamerun“. Sie wurde vorbildlich eingerichtet, um so gute Facharbeiter fest an den Betrieb zu binden. Die Doppelhäuser sind als Typenhäusern gebaut und mit Gärten verpachtet worden.

Grottewitz: Das immer belebte Band der Autobahn trennt des Dorf von Nerchau. Als Curt Pfütze wurde dort der Bauernsohn Curt Grottewitz geboren, der ein Berliner „Alternativer“ wurde und als Begründer der dortigen Wanderbewegung gilt.

Das Italienergrab bei Schmorditz: Mehrfach in der Woche lief Margarita Kunath aus Schmorditz mit Blumen und Gießkanne die Staatsstraße 11 entlang, um das Italienergrab direkt an der vielbefahrenen Straße zu pflegen. Im Frühjahr Stiefmütterchen, Gottesaugen und im Herbst Erika. Für diese Fürsorge erhielt sie bereits als erste Frau Sachsens das Bundesverdienstkreuz, das Ritterkreuz des Verdienstordens der Republik Italien und die Goldene Ehrennadel des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Nach knapp 60 Jahren der aufrichtigen Fürsorge fand sich ein Nachfolger. Seit September 2013 pflegt und hegt Stadtrat und Dachdeckermeister Wolfgang Mohr nun die Grabstätte.


Kurz vor Kriegsende kommt es an der Mulde zu einem tragischen Ereignis. Am 25. April 1945 treffen am Grenzfluss erstmals offiziell russische und amerikanische Truppen aufeinander. Acht italienische Soldaten können aus einem deutschen Internierungslager in der russischen Besatzungszone befreit werden. Mit einem deutschen Militär-LKW versuchen sie das amerikanische Gebiet auf dem Westufer der Mulde zu erreichen. Ihr Ziel der Brückenübergang in Grimma. So weit kam es nicht. Im Militärwagen wurden SS-Männer vermutet. Sofort geriet das Gefährt durch die Alliierten in Beschuss. Der Kraftstofftank explodierte und tötete alle acht Italiener. Eine Woche lagen die Leichen auf der Straße vor Schmorditz bis man sie endlich in dem Sammelgrab am Straßenrand beerdigte.

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